Gleichmut (Upekkha)
Phra Acharn Plien
Der vierte Brahma Vihara ist der Gleichmut (Upekkha). Wir sollten
wissen, dass der Gleichmut der Göttlichen Verweilungszustände manchmal durch
die kilesa (Geistesunreinheiten) beeinträchtigt sein kann. Manche
Menschen empfinden "Gleichmut" gegenüber den Menschen, die sie
sowieso nicht mögen.
Gleichmut und Gleichgültigkeit
sollten wir hier nicht verwechseln! Gleichmut beinhaltet die Qualität,
unberührt zu bleiben. Besonders dann, wenn wir erkennen müssen, dass es
jenseits unserer Fähigkeiten liegt, allen unseren
Freunden oder allen Menschen dieser Welt helfen zu können. Auch dann gelassen
zu bleiben, wenn andere uns beschimpfen oder schlechte
Dinge über uns sagen, ungeachtet der gesellschaftlichen Stellung die diese
Menschen uns gegenüber einnehmen mögen.
Die meisten von uns, können den
Menschen gegenüber gleichmütig bleiben, die wir nicht mögen. Es
wird jedoch schwierig sein diese Haltung auch denen gegenüber einzunehmen, die
wir mögen. Solange wir von den vier Befangenheiten wie - Abneigung,
Zuneigung, Gedankenlosigkeit und Angst - geleitet werden, wird es für uns
unmöglich sein, perfekten Gleichmut zu bewahren. Manchmal können wir unberührt oder unparteiisch bleiben - und ein anderes Mal können wir
das nicht - und so werden wir auch weiterhin Kummer und Ärger ausgesetzt sein.
Wir
brauchen uns nur vorzustellen, wie uns jemand beschimpft. Vielleicht können wir noch nicht mit völligem
Gleichmut darauf reagieren, uns aber doch etwas abseits davon begeben, d.h.: es erst zulassen, um es dann einfach “loszulassen”.
Das ist die Unparteilichkeit oder Unberührtheit des
Gleichmuts der vier Göttlichen Verweilungszustände.
Was ist der Gleichmut in
Bezug auf die Gefühle (Vedana)?
Es ist das Gefühl der
Unberührtheit oder Unparteilichkeit gegenüber den angenehmen oder unangenehmen
Sinneseindrücken, die durch sehen, hören, riechen, schmecken oder tasten
entstehen.
Zum Beispiel können wir bei
Empfindungen wie starker Hitze oder Kälte unberührt
und teilnahmslos bleiben, d.h. sie lassen wie sie sind, um sie dann
"loszulassen". Schmerzen oder verschiedene
Unbehaglichkeiten können wir loslassen, d.h., wir beobachten sie, ohne darauf
zu reagieren. Während wir hier sitzen, um Metta zu üben,
können wir die entstehenden Schmerzen in unseren Armen und Beinen zum Beispiel
gleichmütig und unberührt betrachten. Auch den angenehmen Gefühlen
gegenüber, die entstehen, auf Grund angenehmer Formen, die wir sehen,
angenehmer Gerüche, die wir riechen oder angenehmen
Berührungen, die wir empfinden, sollten wir mit upekkha begegnen, d.h. ihnen
gleichmütig, unberührt und unparteiisch gegenüberstehen. Unangenehme Formen,
Töne, Geschmäcker oder Berührungen geben uns
unangenehme Gefühle und doch können wir es manchmal schaffen, auch diesen
Empfindungen gegenüber gleichmütig zu bleiben. Dies ist
der Gleichmut in Bezug auf die Gefühle. Die dritte Art des Gleichmutes ist das letzte Glied der 7 Erleuchtungsglieder (upekkha
sambojjhanga).
Diese Art des Gleichmutes ist ausgestattet mit Weisheit, Verständnis und Einsicht, und
wir sollten ihn üben und entwickeln, bis wir einen wirklichen Einblick in die
"Wahre Natur" aller bedingt entstandenen Erscheinungen
Mit Weisheit erkennen wir die
"Wahre Natur" aller Dinge: Sobald jemand in diese Welt geboren wurde,
muß er alt werden, Krankheiten erleiden und schließlich sterben. Geburt, Alter,
Krankheit und Tod sind Stationen eines natürlichen
Prozesses, denen alles unterworfen ist.
Jemand, der diese Wahrheit mit
Weisheit klar erkannt hat, wird den Gleichmut entwickelt haben, der das letzte
der 7 Erleuchtungsglieder ist.
Indem wir diese Wahrheiten
akzeptieren können, werden uns die Dinge wie sie sind
- nicht mehr beunruhigen oder besorgen.
Wir
werden auch weiterhin unser Bestes tun, um in dieser leidvollen Welt unseren
Mitmenschen zu helfen. Wenn wir
zum Beispiel einen Kranken zum Arzt bringen, oder ihn so gut wie wir es können
pflegen und dieser Mensch stirbt dann doch, dann sollten wir das mit Gleichmut
und ohne Kummer akzeptieren. Wenn wir zum Beispiel mit Geld oder Medizin alten
Menschen helfen, damit sie gepflegt werden und ihnen ein Heim gegeben werden
kann, und wir dann letzten Endes nichts mehr für sie tun können - weil ihre
Zeit gekommen ist, diese Welt zu verlassen. Dieses Ereignis sollten wir mit
Gleichmut, einem ruhigen und klaren Geist akzeptieren, und erkennen, dass das
die "Wahre Natur aller bedingt entstandenen Erscheinungen" ist!
Sobald wir in diese Welt geboren
sind brauchen wir Freundlichkeit, Mitgefühl, Mitfreude
und Gleichmut, um fähig zu sein, mit allen glücklich und einträchtig
zusammenleben zu können.
Wenn unsere Herzen die
Qualitäten des Gleichmutes, der Achtsamkeit und der Weisheit nicht besitzen, werden wir auch weiterhin Trostlosigkeit und Kummer erfahren
müssen. Ohne Gleichmut sind die Göttlichen
Verweilungszustände unvollständig. Wir sind noch nicht
frei und halten uns immer noch an leidvollen Zuständen fest.
Manche Leute sehen nicht das
richtige Maß und geben alles was sie haben anderen, um ihnen zu helfen, während
sie selbst plötzlich arm und mittellos da stehen. Solch
übertriebene Hilfsbereitschaft, ohne Weisheit und Gleichmut, kann uns nur
unglücklich machen. Deswegen betonte der Buddha ausdrücklich, mit
Weisheit und Umsicht den vier Göttlichen Verweilungszuständen zu begegnen, denn
sie sind Tugenden für reife Menschen.
Die letzte Art des Gleichmutes, ist der Gleichmut, der vollständiges Wissen beinhaltet. Die
Erleuchtung befähigte den Buddha, mit klarer Einsicht die Erscheinungen der
Welt zu durchschauen, und deswegen konnte er die Welt "loslassen". Er
erhob sich über die "Weltlichkeit" und hat uns in ihr zurückgelassen.
Wenn wir in der Zeit des Buddhas geboren wären, mit der Möglichkeit seine Lehre
zwar zu hören, jedoch unfähig, sie zu verstehen, hätte sogar ein Buddha nichts
anderes tun können, als uns in unserer Unwissenheit zurückzulassen, und so
wären wir bis heute im ständigen Kreislauf von Geburt und Tod gefangen
geblieben.
Der Buddha erkannte, dass er
nicht alle zur Erleuchtung führen konnte, und deswegen betrachtete er die Welt
mit Gleichmut. Wir sollten die Gründe dafür verstehen und versuchen, den Pfad
zu entwickeln. Wir müssen die Dinge ihren Lauf nehmen lassen, sie
"loslassen", wenn nichts mehr getan werden kann. Wenn wir zum
Beispiel versuchen andere zu belehren, sie aber ihre Aufmerksamkeit hartnäckig
verweigern, können wir nichts anderes tun, als unsere
Bemühungen, sie zu lehren, zurückzunehmen. Wenn wir solche Lehren erteilen,
sollten sie immer von Metta begleitet sein: das ist
der Weg des Buddhas, dessen Schritte wir folgen sollten wenn wir zufrieden
werden wollen.
Ohne
Gleichmut und Weisheit kann übertriebene Freundlichkeit zu Schwierigkeiten und
Problemen führen. Wenn wir zum Beispiel
Drogenabhängigen Geld geben, um sich Drogen zu beschaffen, kann es passieren,
dass sie in ihrem Rausch streiten, Gewalt anwenden und sich sogar gegenseitig
umbringen. Wenn wir Glücksspielern Geld geben kann das noch mehr zu ihrem oder seinem Untergang beitragen. Beides ist
falsch angewandte Freundlichkeit.
Freundlichkeit, Mitgefühl und
Mitfreude sollten immer mit weisen Erwägungen im Einklang stehen! So sollten
wir niemanden zu seinen schlechten Taten gratulieren, uns jedoch auf der
anderen Seite bemühen, ihr oder ihm mit Ratschlägen
ein besseres und nützliches Leben zu weisen. Wenn solche
Ratschläge nicht beachtet, werden, können wir nur aufgeben und
"loslassen".
Es ist wie die Sorge und Liebe
der Eltern zu ihren Kindern und Enkeln: Sie belehren sie; aber wenn sich die
Kinder weigern zuzuhören, müssen sie es mit Gleichmut hinnehmen, d.h. es
"loslassen", bis sich eine neue Gelegenheit ergibt. Eltern bemühen sich in dieser Weise das ganze Leben, bis ihre
Kinder verstehen. Dies ist die Methode, andere
zu lehren - ob unter Verwandten oder zwischen dem Meditationslehrer und seinen
Schülern. Wenn die vier Göttlichen Verweilungszustände in Einklang mit Weisheit
in unseren Herzen gegenwärtig sind, können wir alle -
unbeachtet von Altersunterschieden - glücklich und harmonisch zusammenleben.
Wenn Kinder diese Qualitäten
besitzen, kann man sie als reife Menschen betrachten.
Es sind die vier Brahma Vihara, die Frieden und Freude
in unseren Herzen entstehen lassen, und deswegen sagte der Buddha, dass
"Freundlichkeit die Welt unterstützt”. Jeder, der sich
Buddhist nennt, sollte sich diese Lehre zu Herzen nehmen und sich in den
verschiedenen Tugenden üben.
Es gibt viel Trostlosigkeit auf
dieser Welt, weil die Menschen keine heilsamen
Qualitäten entwickeln. Wegen dem Mangel an diesen vier
Brahma Vihara ist diese Welt in Aufruhr, und nicht aus irgendwelchen anderen
Gründen. Diejenigen unter uns, die eine tugendhafte Gesinnung kultivieren
wollen, sollten den Dhamma gewissenhaft bedenken und diesen Dhamma in ihre
Herzen aufnehmen. Wir sollten uns solange üben, bis diese vier Qualitäten in
unserem Geist entstehen, und wir dann die Resultate des Glücks erhalten.