Mein Leben als Buddhistische Nonne in Thailand

(Brigitte Schrottenbacher)

 

 

Wo soll ich anfangen? Am besten mit dem Moment, an dem ich mich entschieden habe Nonne zu werden.

 

Ich hatte gerade mein erstes Schweigeretreat im Sorn Thawee Zentrum in Bangkhla, Thailand hinter mir. In diesem Retreat habe ich so viele mir völlig neue Dinge erlebt, daß ich eine starke Sehnsucht gespürt habe, mich einem “meditativen” Leben zu widmen.

 

Natürlich war das ein Ding der Unmöglichkeit, denn ich hatte ja Familie zu Hause in Österreich - Richard, der Vater meiner Kinder und meine zwei Kinder Melanie und Patrick. Die beiden Kinder waren erst 3 und 2 Jahre alt. Ich sah aber auch, daß ich dieses “normale” Leben einfach nicht mehr leben wollte, da waren zuviele unheilsame Dinge involviert. Das ging einfach nicht mehr und so habe ich mich dann eben doch entschieden mit den Kindern nach Thailand zu gehen.

 

Ich wollte erst, daß wir alle zusammen auswandern (Richard, Melanie und Patrick mit mir). Richard konnte diesen Schritt aber nicht machen, denn erstens konnte er nicht verstehen, wie man in so kurzer Zeit seinen Geist und seine Einstellung zu den “wichtigen” Dingen im Leben so drastisch ändern konnte und zweitens weil er seine kranke Mutter gepflegt hat und sie nicht alleine lassen wollte, was ich immer sehr an ihm respektiert habe.

 

Also kamen Patrick, Melanie und ich am 9ten Dezember 1989 in Bangkok an, es war mein 27ter Geburtstag und nicht nur ein neues Lebensjahr sondern ein neues Leben sollte für mich beginnen.

 

Das Leben im Kloster war nicht ganz so einfach mit zwei kleinen Kindern. Sie hatte keine anderen Kinder im Kloster und wir drei konnten noch kein Thai sprechen. Nach einem Monat, genau am 4. Januar 1990, wurde meine Ordination zur buddhistischen Nonne durchgeführt. Mein Lehrer hat mich genau einen Tag vor der Ordination informiert, daß es besser sei die beiden Kinder nach Bangkok zu einer Thai Familie zu geben, die Frau hatte in Wien Piano studiert und hat nie geheiratet und würde sich gerne um die Beiden kümmern, sie sprach perfekt deutsch.

 

Ich sagte natürlich ab und mir wurde erst nach und nach klar, daß mir keine andere Wahl bleiben würde, entweder die Beiden nach Bangkok zu bringen oder zu disroben und nach Österreich zurückzukehren. Ich wollte aber auf keinen Fall zurückgehen, sondern im Kloster bleiben und mich dem Nonnenleben widmen, also hab ich schweren Herzens die Kinder nach Bangkok gebracht. Die Familie war sehr großzügig und freundlich mit den Kindern und innerhalb der 8 Monate, die sie da gewohnt haben, haben beide sehr gut Thai zu spechen gelernt. Als ich sie dann nach Österreich zu ihrem Vater zurückgebracht habe, konnten beide kaum noch Deutsch sprechen, ich selber konnte aber immer noch kaum Thai. Wir hatten dann richtig Schwierigkeiten uns zu unterhalten.

 

Warum ich die Kinder nach Österreich zurückgebracht habe: Richard wollte die Beiden unbedingt zurück haben. Als er erfahren hatte, daß die Beiden nicht bei mir im Kloster leben, sondern bei einer fremden Familie war er sehr aufgebracht und hat mit allen Mitteln versucht die Kinder wieder zurück zu bekommen. Ich hab das auch verstanden und weil mir klar war, daß ich nicht mehr ins normale Leben zurückgehen möchte, hab ich mich dann eben auch dazu entschieden, die Beiden zu ihrem Vater zurückzubringen.

 

Das geschah im September 1990. Ich blieb 3 Wochen in Österreich um alle nötigen Formalitäten zu erledigen und alle Rechte an Richard abzutreten. Dann ging ich nach Thailand ins Kloster zurück.

 

Es folgte eine sehr schwierge Zeit und ich mußte sehr viel meditieren um über die ganze Sache hinweg zu kommen. Ich habe Melanie und Patrick ja sehr gerne gehabt, sie waren “meine” Kinder, auf der anderen Seite wußte ich nur zu gut, daß ich dieses Leben als Nonne leben wollte und es dazu wohl auch nötig war alles aufzugeben, was mich an das weltliche Leben bindet.

 

Ich kann mich sehr gut an eine “erleuchtende Situation” erinnern. Ich kam mal wieder zu meinem Lehrer Acharn Thawee in Tränen und sagte ihm, daß ich an meine Kinder denken müßte, da schaute er nach rechts und dann nach links und dann sagte er ganz erstaunt  zu mir “Welche Kinder? Ich sehe keine Kinder.” Klick…. da wurde mir etwas bewußt…alle Dinge spielen sich im Geist ab, in der sogenannten Realität – im Hier und Jetzt - gabs da keine Kinder, es war in meinem Kopf, mein Denken war das Problem. Von da ab konnte ich mir in dieser Hinsicht weniger vormachen, und es ist auch heute noch ein guter Anhaltspunkt für mich, wann immer Leiden auftaucht, dann schau ich erstmal hin, woher kommt es, ist es real oder…ist es wieder mal nur mein Denken, daß mich leiden läßt und meistens ist es wirklich nur mein falsches Denken.

 

Klar, es war eine Sache die Situation intellektuell zu verstehen und eine andere das Ganze auch wirklich zu leben. Daran mußte ich noch eine ganze Weile intensiv arbeiten.

 

Auch heute noch ist es schwierig, wenn ich fühle wie Melanie und Patrick, das Ganze nicht verstehen können, und ich verstehe sie dabei. Aber ich hoffe auch innigst, daß sie es eines Tages verstehen, meinen Weg verstehen und ihren Eigenen finden und leben.

 

Ich habe mit der Zeit auch festgestellt, daß ich zwei Kinder zurückgelassen habe und dafür Hunderte bekommen habe. Mein Gefühl den Menschen und Wesen helfen zu wollen, hat sich über die Jahre mehr und mehr verstärkt und es ist auch mein größter Wunsch, dies zu tun und alle meine Kräfte in diese Aufgabe zu stecken.

 

Ich habe versucht, das auf vielen Wegen zu tun, habe Kinder aus ärmsten Familien in englisch unterrichtet, Tausende mit Arzneien, Essen und anderen lebenswichtigen Dingen versorgt, verstoßene AIDS Kranke, die in einem Kloster in Lopburi gepflegt werden unterstützt, vier Häuser für Obdachlose und einen Kindergarten nach der Tsunami Katastrophe auf der Insel Kho Lantha und in Phuket bauen lassen und vor allem “meine Nonnen”…

 

Seit 2004 habe ich eine Aktion laufen, die ca. 100 bis 160 Nonnen (variiert)  ein monatliches Taschengeld zur Verfügung stellt. Die Nonnen in Thailand sind meist sehr schlecht unterstützt. Die Laien geben gerne den Mönchen weil sie denken, damit machen sie sehr viel gutes Karma - aber die Nonnen werden dabei meist vergessen. Wenn ich dazu etwas sage, dann kommt oft nur die Antwort - Nonne haben weniger Regeln zu halten als die Mönche oder die Nonnen sind meist nur Nonne geworden, weil sie vom Mann verstoßen wurden oder sonst irgendeine nicht mitfühlende Antwort. Solange ich es kann, werde ich versuchen diese Aktionen weiter zu führen.

 

Einmal jährlich gehe ich auch nach Europa um da für drei Monate in 6 bis 7 Ländern zu unterrichten. Was immer mir da nach Abzug der Reisekosten von den gegebenen Spenden übrigbleibt, geht in diese Spendenfonds. So hoffe ich, daß ich mein “Nonnenprojekt” weiterführen kann und auch ein bis 2 mal pro Jahr den ärmsten Familien eine Sachspende von Rohreis, Fischsoße, Zucker, Speiseöl und Medizin geben kann. Meist profitieren an die 108 Familien von diesen Aktionen und das zweimal jährlich.

 

Ich freue mich, wenn ihr kommen wollt und hier meditieren wollt, ihr seid alle herzlichst willkommen. Laßt euch bloß sagen, es gibt nichts wichtigeres im Leben als sich selber – Körper und Geist kennenzulernen. Wenn ihr eure eigenen Angewohnheiten durchschaut habt und lernt sie “unter Kontrolle” zu bringen Begierde und Haß zu verringern, so daß sie nicht mehr so viel Leiden für euch und Andere anrichten können, dann werdet ihr glücklicher leben und auch Jene, die um euch herum leben, glücklicher machen. Drum verschwendet keine Zeit und gebt einen Teil eurer Zeit für das Entwickeln des Geistes. Für den Köper verschwendet ihr meist ohnehin schon viel zu viel Zeit. Also bitte kommt und versucht es – es kann euch nur mehr Glück und Freude bringen.

 

Ich warte auf euch….MC Brigitte.

 

Am 6ten März 2009 wurde Mae Chee Brigitte Schrottenbacher die Auszeichnung "Outstanding Woman in Buddhism 2009" verliehen.

 

Am 9 Dezember 2009 wurde sie von HRH Prinzessin Chulabhorn für ihre Verdienste um den Weltfrieden und ihre heilsamen Aktivitäten fuer die Menschheit geehrt.